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Zwischen Rollator und Rennrad – Lesung mit Dirk Pfeiffer im JuKuZ

  • vor 12 Minuten
  • 2 Min. Lesezeit

Am 4. März las Dirk Pfeiffer in der „Guten Stube“ des JuKuZ aus seinem Buch „Tendenziell gesund vor“. Eingeladen hatte die Gemeindeschwester der Stadt Kirchhain, Anita Kirschner. Der kleine Raum, die konzentrierte Atmosphäre und die persönliche Nähe machten den Abend zu einer besonderen Begegnung.



Viele Kirchhainer kennen Dirk Pfeiffer als Mitbetreiber des Optik- und Akustikfachgeschäfts „Blickwinkel“ am Marktplatz. An diesem Abend stand jedoch nicht der Unternehmer im Mittelpunkt, sondern der Mensch hinter der Geschichte.


Ruhig und eindringlich erzählte Pfeiffer von seinem früheren Leben als leidenschaftlicher Rennradfahrer. Über 2000 Höhenmeter, rasante Abfahrten, intensive Trainingsrunden an der Amöneburg – Bewegung war für ihn Freiheit. Bis sich nach größeren Touren erste Symptome bemerkbar machten: Probleme beim Absteigen, Schwierigkeiten beim Treppensteigen. Was zunächst wie Überlastung wirkte, wurde zum Beginn einer langen medizinischen Odyssee.

Untersuchungen, Ausschlussdiagnostik, keine eindeutige Erklärung. „Suchen Sie sich einen guten Psychologen“, lautete zwischenzeitlich der Rat. Erst der Kontakt zu einer Spezialklinik in München brachte Gewissheit. Nach einem Gentest stand die Diagnose fest: Mitochondriopathie – eine äußerst seltene, nicht heilbare Erkrankung der „Kraftwerke“ der Zellen, die für die Energieversorgung des Körpers zuständig sind. Weltweit sind nur wenige Dutzend Menschen betroffen.

Die Diagnose brachte Klarheit – und zugleich die Auseinandersetzung mit einer neuen Lebensrealität. Ein Physiotherapeut bereitete ihn bereits auf den Rollstuhl vor. Doch der Abend war keine Lesung über Resignation, sondern über Haltung.


Pfeiffer sprach davon, wie wichtig es sei, rechtzeitig gut versorgt zu sein, da „die Mühlen der Krankenkassen langsam mahlen“. Er warb dafür, den Rollstuhl nicht als Endstation, sondern als Fortbewegungsmittel zu begreifen. Mit Humor begegnet er seiner Situation: „Ich hab einen Gendefekt, ich kann nicht geh’n“, sagte er augenzwinkernd. Und er stellte klar: „Ich bin nicht krank, ich bin Dirk.“


Mitgefühl sei ihm lieber als Mitleid, betonte er. Jeder Mensch habe sein eigenes „Päckchen“ zu tragen. Vertrauen entstehe durch ein Netzwerk aus Ärzten, Therapeuten, Freunden und Familie. Entscheidend sei, inneren Frieden zu finden und nicht gegen den eigenen Körper zu kämpfen.



Überraschende medizinische Unterstützung erhielt Pfeiffer schließlich durch ein Versuchsmedikament, das ursprünglich zur Behandlung von Grünem Star entwickelt wurde. Inzwischen hat sich sein Herzmuskel vollständig regeneriert – in der behandelnden Klinik spricht man von einem besonderen Verlauf. Dennoch gehört der Rollstuhl weiterhin zu seinem Alltag. Täglich arbeitet er daran, den aktuellen Zustand zu stabilisieren.


Im Anschluss an die Lesung entwickelte sich eine lebendige Gesprächsrunde. Zuhörerinnen und Zuhörer teilten eigene Erfahrungen und sprachen über den Umgang mit Krankheit und Einschränkung – sowohl aus Betroffenen- als auch aus Angehörigenperspektive.


Dirk Pfeiffer plant weitere Lesungen und Vorträge. Nicht, um auf Verkaufstour zu gehen, sondern um anderen Menschen in schwierigen Lebenssituationen Mut zu machen. Sein Buch ist im Eigenverlag erschienen und bei „Blickwinkel – Optik & Akustik“ in Kirchhain erhältlich. Interessierte Organisationen oder Gruppen können bei ihm direkt Kontakt aufnehmen.



Text und Fotos: Frank Wagner

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