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Jahresempfang 2017 der Stadt Kirchhain


Gestern Abend lud die Stadt Kirchhain ausgewählte Bürgerinnen und Bürger zu ihrem Jahresempfang ins Bürgerhaus. Wie der Abend verlief und welche Gäste wofür geehrt wurden könnt ihr in diesem Bericht nachlesen.

 

Mit ihrem Eröffnungsbeitrag zum Abend behandelten Schüler AG „Darstellendes Spiel“ der Alfred-Wegener-Schule schauspielerisch und musikalisch das Thema Verein und Ehrenamt.

Ihre Definition: Eine Gemeinschaft von Menschen, mit gemeinsamen Interessen, die sich regelmäßig treffen…vereint.

Die Schüler zeigten, dass trotz der ehrenwerten Ziele dabei nicht immer alles rund läuft und so manchem im Publikum dürften die dort spielerisch behandelten Probleme bekannt vorgekommen sein: Mit den Trends der Zeit Schritt halten, organisieren, Aufgaben verteilen, allen gerecht werden, auf sich aufmerksam machen und und und… Das sind viele der Herausforderungen mit denen man sich plötzlich als Mitglied eines Vereins konfrontiert sieht. Da bleibt es nicht aus, dass man sich am Ende auch einmal in die Haare kriegt und die Vereinsmitglieder immer wieder lautstark fordern: „Es muss sich etwas ändern!“

Doch wer ist am Ende bereit auch tatsächlich Hand anzulegen? „Vorstandsmitglieder verzweifelt gesucht!“

Keine Lust, keine Zeit, zu viel Verantwortung… und keiner dankt es einem.

Aber auch Lösung boten die Schüler an: Verteilung von Aufgaben auf mehrere Schultern, langsames Reinwachsen ermöglichen, das Miteinander fördern, zeitlich begrenztes Engagement ermöglichen, offen für neue Ideen sein, kompromissbereit sein und vieles mehr.… Diese Rezeptur könnte dann dazu führen, dass sich Menschen in ihrem Verein – und dadurch auch in ihrem Leben besser fühlen (musikalisch interpretiert durch den Song „I feel good“).

Ein Denkansatz der beim Publikum anscheinend auf Zustimmung stieß und für großen Beifall für diesen Beitrag sorgte.

 

Anschließend begrüßte Klaus Weber die Gäste im Saal und betonte dabei die Wichtigkeit der Vereine und des Ehrenamts für Kirchhain, welche auch im Mittelpunkt des Abends stehen sollten. Vertreter von über 200 Vereinen aus Kirchhain wurden zu diesem Jahresempfang geladen und man wolle ihnen mit dieser Einladung ein kleines Stück der verdienten Anerkennung und Wertschätzung entgegenbringen. Mit seiner Begrüßungsansprache leitete Klaus Weber dann auch direkt zum ersten Block der zahlreichen Ehrungen an diesem Abend über. Die Urkunden und kleinen Präsente, welche die verdienten Kirchhainer bei dieser Veranstaltung erhalten sollen seinen natürlich nur eine symbolische Geste der Wertschätzung, denn deren Engagement sei mit Geld nicht aufzuwiegen, so Weber.

 

Im Bereich Schule wurden geehrt:

Die Klasse 3d der Grundschule Kirchhain für den 1. Platz beim Wettbewerb des Hessischen Landwirtschaftsministeriums im Bereich Umwelt, Landwirtschaft zum Thema „Woher kommt mein Essen?“

Nele Linker für den 1. Platz mit ihrem Bildbeitrag beim Kreativ-Wettbewerb „Sport verbindet“ der Deutschen olympischen Gesellschaft

Die Leichtathletik-Schulmannschaft der Alfred-Wegener Schule für den 1. Platz beim Hessenentscheid „Jugend trainiert für Olympia“ sowie für den 11. Platz beim Bundesentscheid in Berlin

Die Arbeitsgemeinschaft „ARRET – Steine gegen das Vergessen“ für die Aufarbeitung der Jüdischen Geschichte und Verlegung von Stolpersteinen in Kirchhain

Christina Pepa (Schülerin der Beruflichen Schule Kirchhain) für die Teilnahme als eine von insgesamt drei Teilnehmern aus Hessen an den Deutschen Juniorenmeisterschaften der Hauswirtschaft in Berlin

Im Bereich Geschichte wurden geehrt:

Jürgen Bromm für die Aufarbeitung der Stausebacher Geschichte, Organisation von Ausstellungen und seine ehemalige Funktion als Ortsvorsteher von Stausebach

Dieter Pelda für seine Arbeit als verantwortlicher Redakteur der Kirchhainer Chronik (1945-2002), seine maßgeblich Beteiligung an der Herausgabe des Kriegstagebuchs des Heinrich Grün und für sein Engagement bei der Aufarbeitung der Kirchhainer Geschichte sowie des Archivs

Oberst d.R. Joachim Stickler, Leutnant d.R. Wolfgang Martin, Stabsunteroffizier d.R. Stefan Willhelm für den Erhalt und die Pflege der Kriegsgräber-Gedenkstätten in der Kernstadt, den Stadtteilen sowie im europäischen Ausland

Harald Pausch für sein Engagement zur Geschichte Kirchhains, Organisation von Erlebnis-Stadtführungen, Einrichtung seines Dachmuseeums und als Preisträger des Otto-Ubbelohde Preises 2016 (höchste Auszeichnung des Landkreises im Bereich Kultur und Geschichte)

Der Stadtteil Großseelheim für den 2. Platz im Regionalentscheid „Unser Dorf hat Zukunft“, die Teilnahme (als einziger Vertreter des Landes Hessen) am Europäischen Dorferneuerungswettbewerbs 2016 und als Anerkennung der außergewöhnlichen Eigeninitiativen, die in dem Ortsteil geleistet werden.

 

Nach diesem ersten Block folgten Gesangseinlagen durch den Chor „All Inclusive“, der den kompletten Abend musikalisch umrahmte. Die Sängerinnen und Sänger boten insgesamt ein buntes Spektrum mit Liedern wie z.B. „Africa“ (Toto), „(Somewhere) Over the Rainbow“, „Dust in the Wind“ oder „Radioactive“ (Imagine Dragons) und wurden dafür auch mit viel Beifall belohnt.

Kleine Randnotiz: „All Inclusive“ ist ein gemischter Chor unter der Leitung von Anna Klein, bestehend aus Schülern, Lehrern, Eltern und Ehemaligen der Alfred-Wegener-Schule Kirchhain. Die Proben finden außerhalb der Schulferien an jedem Donnerstag von 19.00 bis 20.30 im Musikraum der Oberstufe statt. Jeder ist herzlich eingeladen, mitzumachen und vor allem im Bereich der Männerstimmen besteht großes Interesse an personeller Verstärkung.

 

Ein weiterer Höhepunkt des Jahresempfangs 2017 war der Festvortrag von Friedrich Schorlemmer. Er ist deutscher evangelischer Theologe und Bürgerrechtler und war ein prominenter Protagonist der Opposition in der DDR. Schorlemmer ist u.a. Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission, Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland sowie Mitglied im Beirat der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ und war gerade zur Zeiten der Wende sehr präsent in den deutschen Medien.

In seinem Vortrag zum Thema „Martin Luther – Lebensweg eines frommen Rebellen“ beleuchtete er auf humoristisch-amüsante Weise das Leben des Reformators sowie das Leben in der damaligen DDR und brachte beides immer wieder in Bezug zur heutigen Zeit.

„Demokratie wird nur dann bestehen, wenn sich Menschen für die Vielfalt einsetzen und diese aktiv mitgestalten, andernfalls führt dies wieder dazu, dass Menschen nur noch nach oben meckern ohne sich zu beteiligen. Der Widerstand in der DDR war lange vor der Wende sehr groß… vor dem häuslichen Fernseher“, so Schorlemmer. „Wir brauchen eine Mitmach-, statt Meckerkultur – und auch dafür stand auch schon Martin Luther ein“. Mitmachen sei kein Zwang sondern eine Verpflichtung, die aus jedem Menschen selbst heraus entstehen müsse.