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Einkaufen in Kirchhain – So geht mehr

Die Belebung und Stärkung des Einzelhandels in der Kirchhainer Innenstadt ist derzeit in aller Munde. Für dieses Ziel setzen sowohl die Stadt Kirchhain als auch der ortsansässige Verkehrsverein neben Maßnahmen wie z.B. dem Stadtgutschein oder Umgestaltungen, welche im Rahmen des ISEK diskutiert wurden, auf Veranstaltungen.

Kinderfest, Moonlight-Shopping, die großen Märkte und andere Events im Rahmen von "Kirchhain – Sehen, hören, genießen" sollen dazu beitragen, Kirchhains Einkaufswelt attraktiver zu gestalten. Doch reichen diese Veranstaltungen aus, um den Geschäften dauerhaft und kontinuierlich Kunden zu bescheren?


Nach wie vor hat der stationäre Einzelhandel immer noch Vorteile gegenüber dem Onlinehandel. Vor allem die Möglichkeit, das Produkt im Vorfeld begutachten, anfassen und testen zu können sowie das Erlebnis eines persönlichen Besuchs im Geschäft ist für viele Menschen ausschlaggebend für einen Einkaufsbummel. Damit aber Kunden vor allem letzteres – also das Erlebnis Einkaufen – erfahren können und dabei vielleicht auch noch mit Familie und Freunden eine schöne Zeit verbringen, muss der Einzelhandel heutzutage mehr bieten, als reine Warenpräsentation.


Veranstaltungen, wie die zuvor beschriebenen können eine Lösung sein. Doch das Jahr hat viele Tage. Und wie die Grafik zeigt, werden davon in Kirchhain nur relativ wenige durch besondere Angebote und Events bespielt. Darüber hinaus muss häufig viel Zeit und Arbeitskraft in Planung und Umsetzung gesteckt werden.


Was kann also der Einzelhandel tun, um mit vergleichsweise wenig Aufwand an mehr Tagen im Jahr die Kirchhainer Innenstadt zu bespielen und immer wieder neue Anreize für einen Besuch zu bieten. Mit diesem Thema habe ich mich beschäftigt und eine Fülle an Ideen zusammengetragen und (weiter-)entwickelt, welche ich euch und dem Kirchhainer Einzelhandel hier als Denkanstoß vorstellen möchte:


 

Gamification Marketing


Hinter dem Begriff "Gamification Marketing" steckt das Konzept, Kunden durch spielerische Ideen zu gewinnen (ihr kennt z.B. sicher das McDonald’s Monopoly) und im Grunde ein Teil des Erlebnis-Shoppings . Mit Elementen wie zum Beispiel Highscores, Ranglisten, Fortschrittsanzeigen, Quests oder Gruppenaufgaben wird der menschliche Spieltrieb geweckt. Gamification-Aktionen sind also mehr als nur simple Gewinnspiele. Sie können mehrere Tage oder Wochen lang laufen und schaffen so über einen längeren Zeitraum zusätzliche Anreize für einen Besuch.


Beispiele:

  • Ostereier-Suche (Lösungswort zusammensetzen durch Finden von Eiern in den Geschäften, auf denen ein Buchstabe ist)

  • Einkaufsmemory (Paare von Bildern in den Geschäften finden auf Suchkarte ausfüllen welche Paare wo waren)

  • Puzzles (Open Air – Zwei Teams setzen ein Großformat-Puzzle zusammen. Die Sieger erhalten ein Goodie)

  • Kaufradeln (je länger die Strecke, je mehr Prozente)

  • Nikolaus-Schuhaktion (Kind bringt einen Schuh vorbei der am 6. Dezember gegen Vorlage des anderen Schuhs gefüllt mit Süßigkeiten wieder abgeholt werden kann)

  • Darten für Prozente

  • Misteryshopping (Kunde erwirbt eine Box mit verschiedenen Waren, evtl. aus verschiedenen Geschäften, die er blind ersteigern kann. Im Vorfeld kann zur Orientierung aufgelistet werden, wieviele Boxen mit welchen Verkaufswerten vorhanden sind)



 

Erlebnis-Shopping


Es gilt Kunden zu inspirieren und zu emotionalisieren, ihnen eben ein Shopping-Erlebnis zu bieten und sie auf diese Weise auch an das eigene Geschäft zu binden. "Wer das bewirkt, macht seine Kunden zu Shop-Evangelisten, die mit Freude ihr Erlebnis weitererzählen" [Quelle: handbuch-handel.de]. Einen Teil davon kann das bereits beschriebene Gamification-Marketing leisten. Es gibt aber natürlich noch andere Aktionen, die das Einkaufen zum positiven Erlebnis werden lassen.


Beispiele:

  • Adventsschaufenster (jeder Einzelhändler widmet einen Teil seines Schaufensters der Weihnachtsgeschichte oder Hintergründen zu weihnachtlichen Bräuchen. In dem Fenster wird darüber aufgeklärt. So können Eltern mit ihren Kindern einen Schaufensterbummel machen, während die Kinder etwas über Weihnachten lernen)

  • Bobbycars und Kettcars in der Fußgängerzone (Die Einzelhändler stellen an einer Station Bobbycars und Kettcars zum Ausleihen bereit. Ein Erlebnis für kleine Kinder und entspannteres Einkaufen für die Eltern, da die Kleinen mit ihren Fahrzeugen beschäftigt sind).

  • Live-Demos (z.B. Blumenhändler der Sträuße bindet Tipps gibt und zeigt wie es geht, Koch-Tipps, Stil-Beratung, usw. All das kann zusätzlich online gestreamt werden)

  • Kunst- und Kulturaktionen (z.B. Konzert im Liegen, bemalte Gänse)

  • Karnevalsbäume/Fasnetsbäume („Ob Ringelstrümpfe, Handschuhe oder Luftballons, so einiges ist zu entdecken. Und wie es sich für die ebenso lautstarke wie feierfreudige Truppe gehört, fehlen Trommelschlägel und leere Prosecco-Dosen nicht.“ [Quelle: Schwarzwälder Bote] Alte Weihnachtsbäume werden in der Fußgängerzone aufgestellt und können von Vereinen nach Anmeldung geschmückt werden.)

  • Verkleidungsaktion (die ersten XY Kunden, die in einer speziellen Verkleidung auftauchen, erhalten einen Gutschein)

  • Kulturelle Events mit Bezug zu Feier- und besonderen Tagen (Ostern, Weihnachten, Black-Friday, Halloween, Zeitumstellung, Neujahr, Verkaufsoffener Sonntag, Thementage (s.u.), Ferien, etc.)

  • Lustige Kleinstaktionen ohne großen Aufwand, wie z.B. Klopapier gratis zu jedem Einkauf (oder ähnlich lustige Gratis-Artikel, die zu aktuellen Ereignissen passen könnten wie Öl, Mehl usw.)

  • Emotional-Product-Sales (Keine Produkte, sondern Emotionen verkaufen, indem man z.B. Geschenksets kreiert, die charmante oder witzige Namen haben und eine bestimmte Stimmung erzeugen oder Erinnerungen hervorrufen. So wird z.B. das Rezeptbuch plus Spicy-Soße zum „Scharfer-Grillmeister-Set“, die Badekugel plus Duftöl und Sekt zum „Verwöhnpaket für Zwei“ oder ein großer Stapel BluRays mit Chips und Cola das „Anti-Weihnachten-Mal-Raus-Paket“

  • zusätzliche Infos und kleine Geschenke (z.B. Rezepte, Anleitungen, Bastel- oder Verpackungsideen zum Produkt)

  • (Welt-)Aktionstage (An vielen Tagen im Jahr gibt es Aktionstage, wie z.B. den "Tag des deutschen Apfels", den "Jogginghosen-Tag" oder sogar den "Kauf Nix Tag". Selbst zu letzterem finden sich Möglichkeiten, wie Geschäfte gemeinsame Aktionen unter einem Motto umsetzen können und so immer wieder abwechslungsreiche Erlebnisse schaffen. Aufgrund der Vielzahl möglicher Aktionstage für Kirchhain, habe ich die Beispiele dazu in ein separates Dokument zum Download gepackt.)


 

Kommunikation und Werbung


Zugegebenermaßen ist das ein Bereich, der auf den ersten Blick wenig mit den vorangegangenen Punkten gemeinsam zu haben scheint. Doch durch Kommunikation und Werbung, kann der Kirchhainer Einzelhandel nicht nur auf sich und seine Angebote aufmerksam machen, sondern darüber hinaus auch auf Events und Aktionen. Außerdem können gemeinsame Werbeaktionen oder -flächen genutzt werden und schaffen so mehr Aufmerksamkeit bei geteiltem Aufwand. Auch Berichte und Filmbeiträge können eine persönliche Brücke zu den Kunden schlagen. Vielleicht ein Blick hinter die Kulissen einer Tortenbäckerei, die Vorstellung des Modegeschäfts mit seinem Team? Auch MeinKIRCHHAIN kann als Lokalblog Geschäfte und Aktionen promoten.


Beispiele für abgestimmte Werbeaktionen und -publikation sowie Erwerb oder Bereitstellung von Werbeflächen im Stadtgebiet:

  • günstig buchbare 18/1 Großplakatflächen an Ortsaus- und -eingängen*

  • DIN-A1 /-A2 Wechselplakathalter als Ausleger an Laternenmasten*

  • Gemeinsames Monats-/Quartalsprospekt (auch digital) mit Sonderangeboten, Coupons und mehr

  • gemeinsame Online-Plattform (als digitales Schaufenster oder Lokaler-Onlineshop nach dem Beispiel von Lozuka und Co.)

  • Fachgeschäfts-Schrank eine Art Paketstation. Kunden können online oder telefonisch Waren reservieren/kaufen und dann auch außerhalb von Ladenöffnungszeiten abholen. Der Schrank steht zentral in der Fußgängerzone und die Fächer können über Zahlenkombinationen geöffnet werden, die der Kunde vorher erhalten hat. Die Einführung könnte im Vorfeld und hinterher durch die lokale Presse redaktionell begleitet werden.)

*Die Werbeflächen könnten z.B. durch die Stadt Kirchhain bereitgestellt und/oder genehmigt werden, so dass hier die Flächenbelegung nicht über teure Außenwerbeflächenvermarkter abgewickelt werden müsste.


Beispiele für mögliche Kooperationsprojekte mit MeinKIRCHHAIN:

  • Gemeinsames Video-Statement der Kirchhainer Einzelhändler das für Zusammenhalt wirbt (ähnlich wie hier)

  • "MeinKIRCHHAIN-Bummelrunde" (Vorstellung einzelner Geschäfte in einem Präsentationsfilm)

  • Wettbewerbe und Abstimmungen via MeinKIRCHHAIN (z.B. für die freundlichste Beraterin)

  • Verhüllte Schaufensteraktion (Vorbild Altdorf oder Köthen)


 

Fazit und Ausblick


All diese hier vorgestellten Aktionen und Ideen sollen, wie bereits erwähnt, einen Impuls geben und die Palette an Ideen für unseren Einzelhandel und andere ortsansässige Gewerbetreibende erweitern, damit wir in Zukunft noch lieber unsere Innenstadt besuchen – um zu bummeln, zu shoppen – aber vor allem um weiterhin eine lebendige Innenstadt zu erhalten, in der wir uns als Menschen begegnen und gemeinschaftlich miteinander leben können.


Genauso wie ich in ehrenamtlicher Arbeit diese Ideen entwickelt und zusammengetragen habe, stehe ich gerne unterstützend zur Verfügung, wenn es eines Tages darum gehen sollte, das eine oder andere aus diesem Artikel Wirklichkeit werden zu lassen.