Jeden Tag entsteht eine neue Geschichte – Chronikvorstellung in Anzefahr
- vor 2 Tagen
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Die Frage „Ist denn heute überhaupt noch jemand in Anzefahr zuhause?“ stellte sich am Sonntag, dem 22. Februar 2026, angesichts des bis auf den letzten Platz gefüllten großen Saals der Mehrzweckhalle durchaus berechtigt. Der Verein Anzefahr – Mein Dorf e.V. und der Ortsbeirat Anzefahr hatten zur Vorstellung und zum Verkauf der Anzefahrer Dorfchronik eingeladen – und ganz Anzefahr war gekommen.

Für die elf Mitglieder der Arbeitsgruppe Chronik war es ein ganz besonderer Tag. In knapp zwei Jahren ehrenamtlicher Arbeit ist mit großem persönlichen Zeitaufwand ein beeindruckendes Werk entstanden. Ziel war es, ein möglichst umfassendes Bild der 800-jährigen Geschichte Anzefahrs zu zeichnen. Im Mittelpunkt stehen die historischen Fakten und Entwicklungen des Ortes, ergänzt durch persönliche Erinnerungsberichte – vor allem von Menschen, die hier aufgewachsen sind oder nach den Wirren des Krieges nach Anzefahr kamen. Einzelne Anekdoten setzen dabei zusätzliche Akzente.
Nach Abschluss der gemeinsamen Arbeit zog die Gruppe ein klares Fazit: Wir hatten immer die richtigen Menschen zur rechten Zeit an unserer Seite.
Um 14.30 Uhr eröffnete die Vorsitzende des Vereins, Efrosini Kaioglidou, die Veranstaltung. Sichtlich bewegt zeigte sie sich von der großen Resonanz und begrüßte die zahlreichen Gäste aus Anzefahr und der Umgebung herzlich. Anschließend bat sie die Mitglieder der Arbeitsgruppe auf die Bühne und würdigte sie namentlich.
Im Namen der Arbeitsgruppe stellte Hans-Christoph Nahrgang die Entstehungsgeschichte der Chronik vor und erläuterte, warum und für wen dieses Buch geschaffen wurde. Ein besonderer Dank galt Willibald Preis, der mit ruhiger, zielgerichteter Art wertvolle Impulse gab und stets ein verlässlicher Ansprechpartner war.
Den konzeptionellen Grundstock – vom Buchformat über die Themenauswahl bis hin zur methodischen Vorgehensweise – verdankt die Arbeitsgruppe Siegfried Becker. In seiner Rede betonte Prof. Dr. Becker, wie wichtig es sei, Menschen an Geschichte heranzuführen und zu erklären, warum und wie Entwicklungen entstanden sind. „Geschichte darf nicht wieder verdreht, umgeschrieben oder neu gedeutet werden“, mahnte er mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen.
„Die Arbeit an dieser Chronik ist gut mit einer Zugreise zu vergleichen“, begann Sabine Schumacher ihren ebenso unterhaltsamen wie bildreichen Vortrag. Mit viel Freude und Begeisterung hat sie die gesammelten Materialien strukturiert, redaktionell bearbeitet und in eine lesbare, stimmige Form gebracht. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe bezeichnete sie augenzwinkernd als „Zugbegleiter“ – und schloss mit den Worten: „Dieser Zug hat pünktlich sein Ziel erreicht.“
Auch Bürgermeister Olaf Hausmann unterstrich in seiner Rede unter der Überschrift „Vergangenheit bewahren – Zukunft gestalten“ die Bedeutung gelebter Erinnerungskultur. Traditionen und Trachten seien identitätsstiftend und müssten für kommende Generationen erhalten bleiben.
Im Anschluss genossen die Gäste Blechkuchen und Kaffee bei angeregten Gesprächen. Nachdem die Vorsitzende Efrosini Kaioglidou und Ortsvorsteher Christoph Kißling die ersten sechs Exemplare feierlich überreicht hatten, begann der Verkauf – mit überwältigendem Ergebnis: Innerhalb kurzer Zeit wurden 217 Chroniken verkauft.
Bereits die Titelseite zeigt das große Engagement der Arbeitsgruppe. Der Titel „Verzehl emoal woas voa fräijer“ erinnert an den kindlichen Wunsch, die Großeltern von früher erzählen zu hören. Das von Carolin Euker geschaffene Aquarell verleiht dem Werk eine besondere künstlerische Note und fängt die Eigenheiten Anzefahrs eindrucksvoll ein.
Auf 528 Seiten wurden die unterschiedlichen Themen wie Mosaiksteine zu einem Spiegelbild der Dorfgeschichte zusammengefügt. Mit dem Buch verbindet die Arbeitsgruppe zwei Wünsche: dass die Chronik einen festen Platz in den Familien findet – und dass die jüngere Generation die begonnene Arbeit fortführt. Denn: Jeden Tag entsteht eine neue Geschichte.
Die Resonanz übertraf alle Erwartungen. Deshalb gilt ein herzlicher Dank allen Helferinnen und Helfern sowie den zahlreichen Gästen.
Die Veranstaltung war zugleich der gelungene „Startschuss“ für die 800-Jahr-Feier in Anzefahr. Das erste Festwochenende gestaltet sich wie folgt:
Freitag, 6. März 2026
Festkommers, 20.00 Uhr, Mehrzweckhalle
Samstag, 7. März 2026
Wanderung auf dem neuen Weg „Der Weg des Wassers“, 10.00 Uhr, Start an der Mehrzweckhalle
Theaterstück „Schlimmer geht’s immer“, 19.30 Uhr, Mehrzweckhalle
Sonntag, 8. März 2026
Ökumenischer Gottesdienst in der Kirche St. Michael, 10.00 Uhr
Familiennachmittag ab 14.00 Uhr im und um das Feuerwehrgerätehaus
Theaterstück „Schlimmer geht’s immer“, 18.00 Uhr, Mehrzweckhalle
Text: Hans-Christoph Nahrgang Fotos und redaktionelle Aufbereitung: Frank Wagner
























