Dreitägiges Fest zum 800-jährigen Dorfjubiläum von Anzefahr
- 19. März
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Von Freitag, den 06. März 2026, bis Sonntag, den 08. März 2026, erlebten in Anzefahr Jung und Alt ein abwechslungsreiches Fest mit den unterschiedlichsten Veranstaltungen.

Das vom Festausschuss des Vereins Anzefahr – Mein Dorf e.V. und dem Ortsbeirat geplante 1. Festwochenende startete am Freitag, d. 06. März 2026, um 20.00 Uhr in der Mehrzweckhalle mit einem Festkommers. Die Sänger des MGV 1903 Cäcilia Anzefahr, unter der Leitung ihres Dirigenten Peter Dippel, eröffneten den Abend mit einem Liedvortrag. Sie traten erstmals an diesem Abend in ihrer neuen Vereinskleidung auf und unterstrichen damit auch, dass dieser Abend für sie und das gesamte Dorf etwas Besonderes bedeutet.
Die Vorsitzende des Vereins Anzefahr – Mein Dorf e.V., Efrosini Kaioglidou, begrüßte in der sehr geschmackvoll dekorierten Mehrzweckhalle die zahlreichen Besucherinnen und Besucher, sowie die Ehrengäste. Geladen und auch anwesend waren Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (Schirmherr), Landrat Jens Womelsdorf, Kirchhains Bürgermeister Olaf Hausmann, Erster Stadtrat Dietmar Menz, Stadtverordnetenvorsteherin Helga Sitt sowie Pfarrer Marcus Vogler, Dr. Alois Rhiel, Ehrenstadtrat Willibald Preis, Sabine Schumacher und Carolin Euker. Der Ortsvorsteher des Nachbarortes Betziesdorf Dieter Tourte und sein Stellvertreter Manfred Peter waren an diesem Abend ebenfalls anwesend.
Der letzte Bürgermeister der ehemals selbständigen Gemeinde Anzefahr, Willi Hühn, konnte an dem Kommersabend leider nicht teilnehmen. Anwesend waren die seit der Eingemeindung tätigen Ortsvorsteher Josef Kißling und Peter Thiel sowie der derzeitige Ortsvorsteher Christoph Kißling. Zu erwähnen ist, dass auch die Vorsitzende des Vereins Anzefahr – Mein Dorf e.V., Efrosini Kaioglidou, einmal Ortsvorsteherin war.
Durch das abwechslungsreiche Programm des Abends führte das Moderatorenteam Loreen Boland und Achim Gutbrod. Beide verstanden es auf ihre eigene Art und Weise, die einzelnen Programmpunkte spannend und humorvoll anzukündigen. Während Loreen Boland in Anzefahrer Mundart sprach, reagierte Achim Gutbrod mit seiner bekannt launigen Art darauf und so war auch jede Anmoderation ein Erlebnis.
Ein Überraschungsgast betrat plötzlich den Saal und eilte zur Bühne. Es war Ritter Giso von Anzefahr (Winfried Bauerbach), dessen Name in der ersten urkundlichen Erwähnung vom 06. März 1226 notiert ist. Er löste sein Versprechen von der Auftaktveranstaltung im Jahr 2025 ein und sagte: „Gemeinsam mit Euch möchte ich jetzt und im Sommer ein schönes Fest feiern und daher labt euch mit Trank und Mahl und habt Spaß. Lasst das Fest beginnen!“
Kaum hatte Ritter Giso den Saal verlassen, wurden drei Wunderkerzen und ein Gebäck in Form der Jahreszahl 800 von Kindern, mit musikalischer Begleitung durch die Tiny-Hous-Band, vor der Bühne präsentiert. Dieses Gebäck hatte die Bäckerei Carle aus Schönbach dankenswerter Weise zum Dorfjubiläum gespendet.

Den Reigen der Ansprachen eröffnete Schirmherr Dr. Christoph Ullrich und bewies gleich zu Beginn seiner Rede, dass auch er der Mundart seiner Westerwälder Heimat mächtig ist. Er wies darauf hin, was 800 Jahre Geschichte, gelebte Gemeinschaft, lebendige Tradition, Zusammenhalt und Zukunft für einen Ort bedeuten und betonte, dass vor allem ein solches Dorfjubiläum nur durch die Arbeit von Ehrenamtlichen möglich sei. „Alles Gute wünsche ich dem starken Dorf Anzefahr“ so beendete der Schirmherr seine Rede und wies besonders darauf hin, dass dieses Fest den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft stärkt. Dr. Christoph Ullrich überreichte der Vorsitzenden des Vereins Anzefahr – Mein Dorf e.V. ein Geldpräsent.
Auch Landrat Womelsdorf wies in seiner Rede darauf hin, dass die dörfliche Gemeinschaft ein wichtiges Element unserer Gesellschaft sei und wünschte Anzefahr auch für die Zukunft eine gut funktionierende Dorfgemeinschaft. Die Silberne Ehrenplakette des Landkreises wurde von Landrat Womelsdorf an Ortsvorsteher Christoph Kißling überreicht.
Die Rede von Bürgermeister Olaf Hausmann war geprägt von zahlreichen persönlichen Erinnerungen an Anzefahr, da seine Frau aus Anzefahr stammt und deren Familie auch hier wohnt. Er gratulierte dem Dorf zu diesem Jubiläum und war sich mit seinen beiden Vorrednern einig, dass dieses Fest in Zukunft einen positiven Einfluss auf den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft hat.
Ortsvorsteher Kißling bedankte sich in seiner Ansprache recht herzlich und wies auf die Bedeutung des Dorfjubiläums für Anzefahr ebenfalls hin.
Bei den Planungen zu diesem Festkommers war es dem Verantwortlichen Alfons Boland und dem Festausschuss wichtig, den Gästen einen abwechslungsreichen Abend zu bieten. Dies ist den Planern auch bestens gelungen, da mit zwei Sketcheinlagen das offizielle Programm aufgelockert wurde. In dem ersten Sketch bewies Dr. Besserwisser (Michael Oelmann), dass Anzefahr viel älter ist, da bereits ein Ehepaar (Anette Wachtel, Bertram Schmitt) aus der Steinzeit diesen Namen aussprachen.
Ein Zwiegespräch zwischen dem Großvater (Achim Gutbrod) und seiner Enkeltochter (Emma Gnau), das sich um die Frage drehte: „Opa, wie habt Du und die Oma Euch eigentlich kennen gelernt?“ war die zweite unterhaltsame Unterbrechung des Programms und wurde ebenfalls mit viel Applaus bedacht.
Zu einem Festkommers gehört auch entsprechende und dem Anlass angemessene Dekoration sowie gutes Essen. So waren die Halle und die Tische festlich von den Damen des Dekoteams um Steffi Mönninger geschmückt, und für die kulinarische Verpflegung hatten sich Julia Kißling und ihr Team etwas Besonderes einfallen lassen. Auf selbst hergestellten massiven Holzplatten waren kulinarische ländliche Spezialitäten sowie kleine Desserts angerichtet, so dass jeder Gast gerne kostete.
Nachdem der Männergesangverein 1903 Cäcilia Anzefahr den offiziellen Teil des Abends gegen 22.30 Uhr mit einem Liedvortrag beendete, übernahm die Tyni-House-Band die weitere musikalische Unterhaltung während des geselligen Teils dieses Festkommers. So verweilten die Gäste mit dem einen oder anderen Kaltgetränk noch einige Zeit gemeinsam in der Mehrzweckhalle.
In rund 400 Stunden hat Stefan Mönninger ein 1 m x 1,20 m großes Modell von Anzefahr im Jahre 1226 erstellt, das im Foyer der Mehrzweckhalle einen besonderen Platz gefunden hat.
Pünktlich um 10.00 Uhr hatte sich am Samstag, d. 07. März 2026, eine unerwartet große Zahl Wanderlustiger auf dem Parkplatz vor der Mehrzweckhalle versammelt. Efrosini Kaioglidou begrüßte die Anwesenden und übergab das Wort an Berthold Bauerbach, der gemeinsam mit Stefan Hofacker, die Idee und die Planung des Wanderwegs übernommen hatte. Berthold Bauerbach startete die Wanderung mit den Worten: „Wir begeben uns nun gemeinsam auf den Weg des Wassers in Anzefahr.“ Auch wenn es von der Temperatur her noch recht frisch war an diesem Morgen, so war die Sonne doch schon am Himmel zu sehen und sie sollte den Wanderern im Laufe des Tages auch noch recht angenehm „einheizen“. Auf der etwa 5,5 Kilometer langen Wanderstrecke „Der Weg des Wassers“ wurden folgende Stationen angelaufen:
- das ehemalige Wehr vor der Mühle
- der Gartäckersborn
- das Naturschutzgebiet Teisebach
und das im Jahre 1928 errichtete Wasserhäuschen an der Sindersfelder Straße oberhalb von Anzefahr. An den einzelnen Stationen wurden durch Hans-Christoph Nahrgang ausführliche Erläuterungen gegeben. Eine besondere Überraschung erwartete die Wanderer am Grenzstein Nr. 1 aus dem Jahr 1756 an der Ohm. Dieser Grenzstein bildet die Grenze zu Betziesdorf und so warteten hier Mitglieder des Ortsbeirats Betziesdorf und Ortsvorsteher Dieter Tourte. In seiner Ansprache betonte Dieter Tourte die über Jahre hinweg gewachsene gute nachbarschaftliche Verbindung zwischen Betziesdorf und Anzefahr und wünschte den Wanderern viele schöne Eindrücke und gute Gespräche auf dem Weg. Eine kleine süße Stärkung und ein Schnäpschen wurden gemeinsam genossen und der Anzefahrer Ortsvorsteher Christoph Kißling dankte den guten Nachbarn aus Betziesdorf für die überaus freundliche Geste.
Mittlerweile zeigten die Frühlingsstrahlen der Sonne, welche Kraft sie doch schon haben und so wurden die Jacken ausgezogen und umgeschnallt. Vom Wasserhäuschen führte der Rückweg nun ein kurzes Stück an der Sindersfelder Straße hinab, um auf der gegenüberliegenden Straßenseite über einen Feldweg zur Windmühle zu gelangen und von dort den Zielpunkt Feuerwehrgerätehaus in Anzefahr zu erreichen. Fleißige Helfer hatten hier bereits alles bestens für die Wanderer vorbereitet, um deren Hunger und Durst zu stillen und ihnen Sitzgelegenheiten zu bieten. Bei netten Gesprächen über die gesammelten Eindrücke während der Wanderung verweilten sie hier noch einige Zeit.
In der Mehrzweckhalle öffnete sich am Samstagabend um 20.00 Uhr erstmals seit mehreren Jahren wieder der Theatervorhang. In dem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal wurde das Theaterstück „Schlimmer geht`s immer“ erstmals vor Publikum aufgeführt. Die Besonderheit des diesjährigen Theaterstücks ist, dass es sich um ein selbstgeschriebenes Stück von Susanne Ziegler-Hänel handelt, die selbst auch die Rolle der Altbäuerin übernahm. Für die Regie sind gemeinsam Susanne Ziegler-Hänel und Daniela Müller verantwortlich. Sie wählten für ihre Komödie einen Generationenkonflikt aus, der die Zuschauer in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückversetzt. Diese Zeit war geprägt von einem großen Wandel in allen Bereichen des Lebens, aber vor allem in der Landwirtschaft. Und genau da spielt die Geschichte.
Es entstand eine turbulente Bauernkomödie in 2 Akten, in der verbal die „Fetzen flogen“. Auslöser für heftige Wortgefechte sind die Anschaffungen des Jungbauern, mit denen er ohne Rücksprache mit seinem Vater, die `moderne` Zeit auf dem Hof einläuten möchte. Dieser Generationenkonflikt löste eine Verkettung von Ereignissen aus, die beim Publikum für viel Erheiterung sorgte.
Die Begebenheit ist historisch nicht belegt, aber sie könnte sich so oder so ähnlich doch überall abgespielt haben.
Da in der letzten Woche vor der ersten Aufführung jeden Tag auf der Bühne geprobt wurde, war es der Kleinen Ohmtalschule nicht möglich den Turnunterricht für die Kinder durchzuführen. Hierfür hatte sich der Festausschuss auch etwas einfallen lassen und anstelle des Sportunterrichts die Möglichkeit angeboten, einmal Schule wie vor hundert Jahren zu erleben. Für Kinder und Lehrer war es eine recht interessante Erfahrung und führte zu so manch angeregten Diskussion.
Zu einem solchen Dorfjubiläum gehört auch ein sonntäglicher Gottesdienst und das war auch am 08. März 2026 um 10 Uhr in Anzefahr der Fall. Den feierlichen ökumenischen Festgottesdienst gestalteten Diakon Paul Lang, Pfarrerin Berit Hartmann und Pfarrer Ralf Eckert. Für die musikalische Umrahmung waren der Evangelische Posaunenchor Niederwald unter der Leitung von Henning Welk, der Männergesangverein 1903 Cäcilia Anzefahr unter der Leitung von Peter Dippel und die beiden Organisten Simone Bonacker und Reinhold Mößer verantwortlich. In den Einführungsworten von Alfons Boland unter dem Thema „800 Jahre Anzefahr – Bitte und Dank“ stand die Anzefahrer Kirche St. Michael ebenso im Mittelpunkt wie auch in der gemeinsamen Ansprache von Diakon Dr. Paul Lang, Pfarrerin Berit Hartmann und Pfarrer Ralf Eckert. Pfarrer Eckert führte aus, dass der Altar in Anzefahr nach dem Um- und Anbau der Kirche im Jahre 1975 nicht mehr nach Osten ausgerichtet ist, was er sinnbildlich mit dem Thema Orientierung in der Kirche verband. Über den Taufstein, seinen Standort und die Bedeutung der Taufe für jeden einzelnen sprach Pfarrerin Hartmann. Diakon Lang sprach über „Aufbruch“, sowohl in der Natur durch den Frühling, als auch in unserem eigenen Leben und richtete dabei die Aufmerksamkeit auf die Mosaiksteinfenster des Kirchenanbaus, die das Sonnenlicht so brechen, dass es für jeden Menschen erträglich wahr zu nehmen ist. Zum Abschluss des Festgottesdienstes sang die Gemeinde als Schlusslied „Großer Gott, wir loben dich“. Zur Erinnerung an diesen Tag erhielten alle Anwesenden einen kleinen Stein überreicht, der wiederum symbolisch dafürsteht, dass die Kirche ein „Haus aus lebendigen Steinen“ ist.
Ab 14.00 Uhr stand der Sonntagnachmittag ganz im Zeichen der Familie und vor allem der Kinder und wurde im und rund um das Feuerwehrgerätehaus ausgerichtet. Für die Kuchen sorgten sich Frauen aus dem um das Feuerwehrgerätehaus herum befindlichen Wohnviertel. Dieses Wohngebiet wird allgemein als „Sanella-Viertel“ bezeichnet. Dies geht auf die Entstehungszeit der ersten Häuser zurück, zu Beginn der 50iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Kinder verbrachten eine kurzweilige Zeit bei Spiel & Spaß mit vielen Spielgeräten. Die besondere Attraktion des Nachmittags war der Zauberer Andreas Möller-Forst aus Amöneburg, der mit seinen Kunststücken es gekonnt verstand, die kleinen und großen Zuschauerinnen und Zuschauer zu begeistern.
Bereits um 18.00 Uhr öffnete sich zum zweiten Mal in der Mehrzweckhalle der Vorhang zur Theateraufführung. Auch dieses zweite und vorerst letzte Mal wurde die Aufführung mit viel Applaus belohnt.
Auf diesem Wege bedanken sich der Festausschuss und der Ortsbeirat bei der ganzen Dorfgemeinschaft und allen Helferinnen und Helfern, allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer und allen Sponsoren für drei ganz tollen und gelungenen Festtage. Möge es so am zweiten Festwochenende vom 03. Juni bis 08. Juni 2026 weitergehen.
Text und Fotos: Hans-Christoph Nahrgang Redaktionelle Aufbereitung: Frank Wagner























